7. März 2013

Kältemittel: Daimler sucht Schulterschluss für CO2

Rettungskraft im Einsatz

Neues Kältemittel: Gefahr für die Rettungskräfte? Foto: Auto-Medienportal.Net/ADAC

Tagsüber trafen sich die Experten am Rande des Genfer Automobilsalons; abends war klar: Daimler sucht im Konflikt um das umstrittene Kältemittel R1234yf den Schulterschluss mit dem Wettbewerb und den Automobilverbänden für Kohledioxid (CO2) als Kältemittel für Auto-Klimaanlagen. Man suche gemeinsam mit Audi, BMW, Porsche und Volkswagen unter Einbindung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) nach einer nachhaltigen und sicheren Lösung, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Die EU verlangt seit Jahresanfang für alle neu zu homologierenden Fahrzeugmodelle den Einsatz eines umweltfreundlicheren Kältemittels anstelle des bisher eingesetzten Mittel R134a. Daimler hatte sich im vergangenen Jahr allerdings geweigert, das neue Mittel einzusetzen. Versuche hatten ergeben, dass das Mittel nach einem Aufprall unter Umständen brennen und Löschversuche mit Wasser zur Bildung von hochgefährlicher Flusssäure führen würde.

Wie schon gestern in Genf zu hören war, soll ein Auftrag an einen Zulieferer ergehen, CO2-Klimanlagen zu entwickeln. Ein einfacher Austausch des Kältemittels ist nicht möglich, denn CO2-Klimaanlagen werden mit einem zehn Mal höheren Druck betrieben. Außerdem erfordert eine solche Anlage mehr Bauraum. Aus den USA kommt eine zusätzliche Sicherheitsanforderung, nach der ein Austreten von CO2 in den Passagierraum verhindert werden muss.

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Bis zum Warnruf aus Stuttgart herrschte in der weltweiten Automobilindustrie Übereinstimmung, dass R1234yf das Kältemittel der Zukunft sei. Die beiden US-Chemieunternehmen Dupont und Honeywell als einzige Hersteller des Mittels bauten für dessen Herstellung ein Werk in China, natürlich in der Erwartung auf besonders gute Geschäfte. Die Entscheidung der europäischen Premiumhersteller, mit CO2 möglichst das Kältemittel R1234yf zu ersetzen, hat auch handelspolitische Konsequenzen. In Zeiten, in denen von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA gesprochen wird, kann R1234yf zu einem weiteren transatlantischen Streitfall werden nach dem Motto: Nehmt ihr R1234yf nicht wegen Brandgefahr, lassen wir euer CO2 nicht zu wegen Erstickungsgefahr. (ampnet/Sm)

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