18. März 2013

Ford-Boss Mulally erhält trotz verfehlter Ziele für 2012 satte 20,9 Millionen Dollar – die Arbeiter in Genk „etwas“ weniger

Das muss einfach nur bitter sein. Das Jahreseinkommen von Ford-Boss Alan Mulally fällt in 2012 um 29 Prozent niedriger als im Vorjahr aus. Wer den Tränen nahe ist – es sinkt von 29,5 auf 20,9 Millionen Dollar oder 16,2 Millionen Euro und ist damit höher als die Vergütung von VW-Konzernchef Dr. Martin Winterkorn. Seit seinem Antritt bei Ford in 2006 hat Alan Mulally damit rund 160 Millionen Dollar verdient.

Alan Mulally von Ford

Ford-Boss Alan Mulally. Foto: UnitedPictures/Auto-Reporter.NET

Als Grund für die verringerten Bezüge erklärte Ford, dass man mehrere selbstgesteckte Ziele nicht erreicht habe. So beim Marktanteil, Gewinn und Cash Flow. Einer der größten Sündenböcke für das “Desaster“ ist dabei die Europa-Organisation, die in 2012 einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar verzeichnete und damit maßgeblich dazu beitrug, dass mit einem Vorsteuergewinn von nur acht Milliarden Dollar das Ziel von 8,7 Milliarden Dollar verfehlt wurde.

Allerdings mussten andere Top-Manager dagegen weniger oder gar keine Abstriche hinnehmen. So sank die Vergütung von Aufsichtsratschef Bill Ford jr. nur von 14,8 auf 14,5 Millionen Dollar und der erst am 1. Dezember zum Chief Operating Officer ernannte Mark Fields erhielt ebenso wie in 2011 rund 8,8 Millionen Dollar. So schlimm kann das Desaster also wohl doch nicht sein.

Wohl aber für Tausende von Arbeitern und Angestellten in Europa, wo Ford neben zwei Werken in England die Fabrik im belgischen Genk schließt und damit inclusive der Beschäftigten bei Zulieferern rund 10.00 Menschen und deren Familien spätestens Ende 2014 in die Wüste schickt. Zwar ist es richtig, dass es in Europa schon lange ein Überkapazitäten-Problem gibt und dringend gelöst werden muss. Werksschließungen wie zum Beispiel auch bei Opel (Bochum) oder Peugeot (Aulnay) bittere Realität.

Doch man kann auch anders mit den betroffenen Mitarbeitern im eigenen Werk und bei den Zulieferern umgehen als es Ford in Genk offensichtlich getan hat. Erst nach wochenlangen Diskussionen und massiven Streiks erklärte man sich bereit, auch für die Betroffenen bei den Zulieferern einen Sozialplan zu erstellen. Mit ersten Angeboten zeigte man sich jedoch mehr als knauserig. Folge: Seit mehreren Wochen ruht die Produktion von Mondeo, Galaxy und S-MAX und die bereits produzierten Fahrzeuge werden auf Halde festgehalten. In dieser Woche soll es nun weitergehen.

Vielleicht war es das richtige Druckmittel, dass sich Ford und Gewerkschaften nun  endlich auf einen Sozialplan für die Arbeiter – bei den Angestellten steht eine Einigung nach wie vor aus – geeinigt haben, der von rund drei Viertel der Belegschaft akzeptiert wurde. Neben geringen Einmalzahlungen sieht er dem Vernehmen nach vor, dass bei vorzeitigem Ausscheiden aus der Firma ein zusätzlicher Betrag von 2.000 Euro pro Dienstjahr ausgezahlt wird und diejenigen, die bis zur Werkschließung bleiben, 2.400 Euro pro Ford-Zugehörigkeit erhalten.

Bei 30 Jahren Ford-Zugehörigkeit  bedeutet dies in Summe weniger als 100.000 Euro brutto – ein Betrag, den Mr. Mulally trotz seiner knapp 30prozentigen Reduzierung im letzten Jahr in knapp zweieinhalb Tagen eingenommen hat – was ist eigentlich das wirkliche Desaster? (auto-reporter.NET/Hans H. Grassmann)

Unternehmen Alan Mulally / Ford / Gewinn /

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