22. März 2013

Kommentar: Seit heute sind die Umweltzonen entlarvt

Heute wurde den Feinstaubzonen in deutschen Städten die Berechtigung entzogen. Die erste gründliche Untersuchung der Feinstaubbelastung vor der Einführung der Plaketten und danach kommt zu dem Schluss, dass die Feinstaubbelastung in den Sperrzonen nur um 0,2 bis maximal weniger als ein Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft zurückging. Das sind Werte zwischen einem und weniger als fünf Prozent der Feinstaubbelastung in der Stadt. Die EU-Richtlinie setzt als Grenzwert für Feinstaubbelastung im jährlichen Mittel 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. Ein Wert von 50 Mikrogramm darf nur an 35 Tagen pro Jahr überschritten werden.

Die umfassende Studie „Wirksamkeit von Umweltzonen: Analyse der Feinstaubkonzentrationsänderungen in 19 deutschen Städten stammt von PD Dr. Peter Morfels, Leiter des Instituts für Epidemologie und Risikobewertung in der Arbeitswelt (IERA) der Evonik AG und Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin, Umweltmerdizin und Präventionsforschung an der Universität zu Köln und PD Dr. med. Michael Spallek, Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor EUGT e.V. und Institut für Arbeitsmedizin, Charité Unversitätsmedizin Berlin. So lang die Funktionsbezeichnungen – ein Zeichen dafür wie wissenschaftlich die Studie aufgezogen ist. Sie vergleicht die Innenstadt-Werte vor und nach der Einführung der Umweltzone und hat auch die Werte am Rand der Umweltzonen im Blick.

Die Kommunen mit Umweltzonen und auch die ohne werden diese Botschaft vom minimalen Effekt der Umweltzone beim Verkehr nicht gern hören und überhören. Viele von denen werden lieber den Einschätzungen glauben, die vor der Einführung vom Umweltbundesamt und Umweltaktivisten wie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verbreitet worden sind. Dieser Glaube hat einen konkreten Hintergrund: Städte wie Stuttgart liegen fast ständig über den Grenzwerten der Europäischen Richtlinie zur Luftqualität 1999/EG (EU 1999). Sie brauchen eine Lösung. Auf der Hand liegen zwei: Ausweitung der Flächen der Feinstaubzonen mit grüner Plakette und flächendeckendes Tempo 30. Beim zusätzlichen Tempolimit übersehen dessen Verfechter gern, dass viele Autofahrer Tempo 30 im zweiten Gang fahren und so mehr Lärm, mehr Verbrauch und damit auch mehr Emissionen verursachen werden.

Auf die Feinstaubbelastung der Innenstädte hätten also beide Maßnahmen keinen guten Einfluss. Aber die erweiterte Feinstaubzone wie das Tempo 30 sind zu plausiblen Handlungsalternativen geworden. Das beruhigt den Bürger ebenso wie den Umweltaktivisten. Wir werden es auch in den kommenden Monaten wieder erleben, dass beides als die einzige Lösung gepredigt werden wird. Es wird aber nicht helfen, das Feinstaubproblem zu lösen.

Die Untersuchung zeigt, dass Durchfahrtverbote für Lkw offensichtlich Wirkung zeigen. Die Großstädte, die heute die größten Probleme berichten, sollten sich überlegen, ob sie nicht Partner finden, mit denen sie ein neues Logistikmodell für die Versorgung der Stadt aufbauen sollten, bei dem schweren Lkw draußen vor der Tür bleiben und nur emissionsärmere oder vor Ort gänzlich emissionsfreie Transporter die Versorgung der Kernstadt übernehmen. Der 15. Technische Kongress des Verbands der Automobilindustrie hatte gestern und heute auch dazu Konzepte zu bieten.

In dieser Woche hatte der ADAC darauf hingewiesen, dass auch eine andere Überlegung zugunsten der Plaketten-Lösung nicht funktioniert hat. Auch wir hatten damals kommentiert, mit dem Zwang zur Plakette finde eine Vernichtung von Volksvermögen statt, weil Autos ohne Plakette an Wert verlieren, und die Plakette musste ja auch noch gekauft werden. Die Freunde der Plakette sahen darin eher ein Konjunkturprogramm zugunsten der Automobilindustrie, weil die Menschen gezwungen seien, schneller neue Autos zu kaufen. Haben sie aber nicht. Das Durchschnittsalter der der bundesdeutschen Autos ist nicht niedriger geworden. Auch die Abwrackprämie konnte daran nichts ändern. Macht aber auch nichts – siehe oben. (ampnet/Sm)

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