22. März 2013

Opel Bochum: Zahlen die Mitarbeiter die Zeche?

Es war fast zu erwarten. Bei einer erstaunlich niedrigen Wahlbeteiligung von 69,3 Prozent haben 76,1 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter im Bochumer Opel-Werk den Sanierungs-Tarifvertrag für den angeschlagenen Autobauer abgelehnt. Vorläufige Konsequenz: Statt der geplanten Produktions-Verlängerung bis Ende 2016 könnten die Fertigungbänder für den Zafira mit Auslaufen des bestehenden Kündigungsschutzes nun Ende 2014 gestoppt werden.

Das Bochumer Opel-Werk

Bochumer Opel-Werk. Foto: Opel/Auto-Reporter.NET

Dies hatte bereits vor einigen Wochen Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky angekündigt, falls es zu keiner Einigung mit den Beschäftigten kommen sollte. Für den Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel ist dies aber offensichtlich nur eine Finte und er forderte vor der Abstimmung unter anderem per Flugblatt seine Arbeitskollegen auf, nicht darauf reinzufallen. Die angedrohte Verlagerung sei „aufgrund hoher Investitionen und fehlender Fachkompetenz in anderen Werken unsinnig“.

In finanzieller Hinsicht hat der streitbare Betriebsrat sicherlich recht. Doch die „Causa Bochum“ ist schon längst nicht mehr nur unter ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten. Angesichts der dramatischen Überkapazitäten in Westeuropa, die schließlich schon vor der Absatzkrise vorhanden waren, steht die Existenz des Bochumer Werkes bereits seit mehr als zehn Jahren auf tönernen Füßen, hätte allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen schon längst geschlossen werden müssen.

Nun hat in den letzten 15, 20 Jahren das Management von General Motors und von Opel Deutschland sicherlich etliche gravierende Fehler gemacht. Doch eines kann man ihnen nicht vorwerfen – sie hätten sich nicht bemüht, Bochum so lange als möglich am Leben zu erhalten. Auch im jetzt abgelehnten neuen Tarifvertrag wird dies deutlich: Immerhin beinhaltet er eine zweijährige Produktionsverlängerung und damit zwei Jahre länger Arbeit für die derzeit noch 3.200 direkt beim Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter (plus Etliche bei den Zuliefereren) und der Erhalt von rund 1.200 Arbeitsplätzen durch den Aufbau einer Teilefertigung. Und auch in frühzeitigen Verhandlungen mit der NRW-Regierung über die Ansiedlung neuer Unternehmen auf dem Werksgelände bzw. in dessen Nähe zeigte sich Opel mehr als kooperativ.

Das alles reichte Rainer Einenkel nicht und auch die neuen Zusagen kanzelte er recht pauschal als zu vage ab. Und dabei stört es ihn offensichtlich auch nicht, dass er sich mit seiner Haltung gegen die IG Metall, die den Tarifvertrag ausgehandelt hat, stellt. Offensichtlich unter dem Motto „Es ist noch immer gut gegangen“ setzt er darauf, dass Opel einmal mehr einknickt – er müsse nur den harten, unerbittlichen Mann spielen. Damit ist er zum Pokerspieler geworden, der allerdings nicht mit eigenen Karten spielt. Verzockt er sich nämlich – und dies sieht derzeit ganz so aus –  sind nämlich die Bochumer Mitarbeiter die großen Verlierer. (auto-reporter.NET/Hans H. Grassmann)

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