8. April 2013

Billig-Autos sind nicht nur in Osteuropa gefragt

Als vor acht Jahren Renault seine Billig-Marke Dacia für den Vertrieb in osteuropäischen Ländern einführte, zweifelten viele Experten an dem Konzept. Gut, ein Lada mit seiner angestammten Kundschaft, die einfach nur froh war, überhaupt einen fahrbaren Untersatz besitzen zu können, sei nun mal Tradition  Aber eine neue, wenn auch sehr preisgünstige Marke mit einem technisch veralteten Auto zu etablieren, sei doch sehr wagemutig.

Ab 10490 Euro steht der DACIA Duster bei den Händlern

Deutschlands günstigster SUV – DACIA Duster. Screenshot: Auto-Reporter.NET

Nun, die Skeptiker täuschten sich gewaltig. Dacia war sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass auch in Westeuropa schon bald die Überlegung aufkam, ob dieser Billigheimer nicht doch auch bei uns gewisse Chancen hätte. Mit geringen Stückzahlen gewiss, aber immerhin. Kleinvieh macht auch Mist, vor allem wenn man an die zusätzliche Auslastung in den Werkstätten denkt.

Und wieder irrte man sich. Denn auch in Westeuropa gab es auf Anhieb viele Kunden,  die weitestgehend rational entschieden, dass der Logan für die Fahrt von A nach B völlig ausreichte, auch wenn anfangs kein ESP und dergleichen mehr vorhanden war. Nun, diese Zeiten sind auch bei Dacia vorbei. Selbst der Sandero, der in der Basisversion derzeit für 6.990 Euro angeboten wird, verfügt zumindest über vier Airbags und ESP.

Und die aktuellen Zahlen belegen, dass Dacia keine Eintagsfliege ist. Nach den ersten zwei Monaten hat Dacia in Europa bei einem durchschnittlichen Minus von 9,3 Prozent seine Verkäufe um 11,7 Prozent gesteigert. Mehr als ein Drittel vom Verkaufs-Volumen von Renault. Und in Deutschland sieht es nach drei Monaten noch besser für Dacia aus, auch wenn man sich dem Gesamtmarkt mit einem Minus von 2,3 Prozent (Renault: -8,6 Prozent) nicht ganz entziehen konnte.

Eine Entwicklung, die zumindest in den letzten zwei, drei Jahren absehbar war und fürs Nachdenken in den oberen Chefetagen gesorgt haben dürfte. Laut Auto-Bild plant Nissan bereits kurzfristig die Auferstehung von Datsun, unter dessen Label zwei preiswerte Modelle bereits ab 2014 in Russland montiert werden sollen und Fiat denkt ernsthaft über eine Wiederbelebung  von Autobianchi (1955 – 1995) nach. Auf Basis des alten Punto könnte eine in Polen und Russland gebaute kompakte Stufenhecklimousine vor allem für die osteuropäischen Märkte entstehen.

Doch warum nur für Osteuropa? Fest steht doch, dass die Dacia-Strategie inzwischen in ganz Europa funktioniert und bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage vor allem in den südeuropäischen Ländern  auf mehr als fruchtbaren Boden fällt. Denn auch dort will man nicht auf sein Auto verzichten, es muss jedoch bezahlbar sein. Und da hilft keine Premium-Strategie, wie sie unter anderem offenbar Peugeot mit seinem 208 XY oder GT oder Citroen mit seiner zweifelsohne attraktiven DS-Linie vor haben. Einfach zu teuer. Gefragt ist ein Dacia Duster, der ja auch nicht schlecht aussieht und zum Beispiel in Spanien derzeit mit einem Basispreis von 9.990 Euro sogar um knapp 600 Euro preiswerter als in Deutschland angeboten wird.

Ein Alarmzeichen auch für Seat und den in Europa führenden gesamten VW-Konzern, wenn man nicht künftig auf Stückzahlen verzichten will. Dabei wäre die Reaktion aus Wolfsburg relativ einfach. Gibt es doch mit dem in Brasilien überaus erfolgreichen Salveiro Cross bereits mehr als eine Alternative. Sowohl preislich als auch qualitativ. (auto-reporter.NET/Hans H. Grassmann)

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