12. April 2013

Neue StVO: Geschlechtsneutral aber unverständlich

Geschlechtsneutral aber unverständlich

Piktogramm: Archiv/ Auto-Reporter.NET

Die seit dem 1. April geltende, umformulierte Straßenverkehrsordnung (StVO) ist noch schwerer verständlich als sie es ohnehin schon war. Das ist die Meinung des Sprachexperten Wolf Schneider, Honorarprofessor für Linguistik und Träger des Medienpreises für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache. „Die geschlechtsneutrale Umformulierung ist unnötig, weil bei den 1,3 Millionen Einwohnern von München die Einwohnerinnen selbstverständlich auch heute immer dabei sind – und weil auf die Herstellung von Geschlechterneutralität 98 Prozent der Deutschen absolut nicht gewartet haben“, sagt Schneider gegenüber AUTO BILD (Heft 15). Schon vorher sei die StVO voller sprachlicher Probleme gewesen. „Wechsellichtzeichen und Begrenzungsleuchte statt Ampel und Standlicht: Das ist bürgerfeindlicher, sprachverhunzender Bürokratenjargon.“

Dem schwer verständlichen Juristendeutsch zwang die neue Reform zahlreiche weitere, höchst umständliche Floskeln auf. Der maskuline „Fußgänger“ wurde umgewandelt in den geschlechtsneutralen Ausdruck „Wer zu Fuß geht“, der Radfahrer ist seit dem 1. April der oder die „Rad Fahrende“.

Bei der Formulierung der Gesetzestexte orientieren sich die Verfasser am sogenannten Handbuch der Rechtsförmlichkeit. Es empfiehlt, unter anderem, mit „kreativen Umschreibungen“ den Mann aus den Paragrafen zu verbannen. Allerdings heißt es in dem Handbuch auch: die sprachliche Gleichbehandlung dürfe „nicht auf Kosten der Verständlichkeit oder der Klarheit gehen“. Außerdem, so der Leitfaden, solle die gewählte Formulierung „nicht zu sehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen“. Darauf haben die Verfasser der Reform offenbar keine Rücksicht genommen. (Auto-Reporter.NET)

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