7. Mai 2013

30 Jahre Fiat Uno

Der Ort für die Präsentation hätte symbolträchtiger kaum sein können. Cape Canaveral in Florida ist die Heimat der Space-Shuttle der NASA, Anfang der 1980er Jahre war kein Ort auf der Erde stärker in Richtung Zukunft orientiert. Hier stellte Fiat am 20. Januar 1983 einen neuen Kleinwagen vor, der für die Zukunft des Unternehmens große Bedeutung haben sollte – den Fiat Uno.

roter Fiat Uno Turbo aus den 1990-er Jahren

Fiat Uno Turbo. Foto: Fiat/Auto-Reporter.NET

Der Name war eine Reminiszenz an einen der ersten Fiat überhaupt, an den Tipo Uno aus dem Jahr 1910. Der neue Fiat Uno entwickelte sich zum Urvater eines der erfolgreichsten Pkw-Modelle aller Zeiten. Bis heute wurden weltweit mehr als 8,8 Millionen Exemplare gebaut, damit rangiert die Baureihe in den Top-Ten der meistgebauten Autos aller Zeiten.

Als Ablösung des Fiat 127 konstruiert, läutete der Fiat Uno gleich in mehrerer Hinsicht eine neue Ära bei der italienischen Marke ein. Das geradlinige Karosseriedesign stammte von Giorgetto Giugiaro. Der Verzicht auf die herkömmliche Regenrinne, Einarmscheibenwischer und versenkte Türöffner senkten den Luftwiderstandsbeiwert auf 0,33, ab 1989 betrug der cw-Wert mit geändertem Kühlergrill sogar nur noch 0,30. Die nachgiebigen Kunststoff-Stoßfänger überstanden Parkrempler mit Schrittgeschwindigkeit schadlos.

Nachdem zunächst bewährte Benziner (33 kW/45 PS im Fiat Uno 45, 44 kW/54 PS im Fiat Uno 55 oder 50 kW/68 PS im Fiat Uno 70) und Saugdiesel (33 kW/45 PS) verbaut wurden, läutete Fiat Ende 1985 auch motorenseitig ein neues Zeitalter ein. Die völlig neue konstruierte Triebwerksbaureihe mit dem Namen FIRE (Abkürzung für Fully Integrated Robotized Engine) leistete 33 kW /45 PS aus 999 Kubikzentimeter Hubraum. Der sparsame Vierzylinder (Durchschnittsverbrauch 4,1 Liter pro 100 Kilometer) ersetzte die ES-Variante.

Der Fiat Uno schwang sich zum meistverkauften Fahrzeuge seiner Klasse in Europa auf. In der Bundesrepublik wurde der Fiat Uno Importwagen Nummer 1, nicht zuletzt auch dank attraktiver Sondermodelle wie „Weiße Flotte“ (1985) oder „Silberflotte (1986). Schon knapp zwei Jahre nach der Markteinführung lief das millionste Exemplar vom Band.

1986 ergänzten zwei weitere Versionen die Baureihe. Der Fiat Uno 75 i.e. mit elektronischer Multipoint-Einspritzung (Bosch L-Jetronic) und geregeltem Katalysator hatte einen neuen 1,5-Liter-Benziner mit 55 kW (75 PS) unter der Haube. Ebenfalls neu war ein 1,7-Liter-Saugdiesel mit 44 kW (60 PS) Leistung. Im Oktober des Jahres übersprang die Baureihe die Zwei-Millionen-Grenze. Bis 1989 wurde das Käuferinteresse mit einigen Sondermodellen (z. B. Eleganza, Elba) und der schrittweisen Einführung von Katalysatoren aufrecht erhalten.

1989 war es Zeit für eine gründliche Überarbeitung. Auf der IAA in Frankfurt erlebte die zweite Generation des Fiat Uno ihre Weltpremiere. Auffallendstes Merkmal war der geänderte Kühlergrill mit den schmaleren Scheinwerfern, die aerodynamisch günstigere Heckklappe und die größeren Stoßfänger. Überarbeitet wurden auch Innenraum (u. a. neue Sitze) und Serienausstattung. Zur Wahl standen bekannte Triebwerke: der 1,0-Liter-FIRE-Motor mit Single-Point-Benzineinspritzung, der 1,5-Liter-Benziner und der Turbo, der jetzt serienmäßig mit Katalysator ausge¬stattet war und 74 kW (100 PS) leistete. Neu war der Fiat Uno 70 i.e. (ab 1991 Fiat Uno 1.4 i.e.) mit einem 1,4-Liter-Benziner (51 kW/70 PS), der serienmäßig über ein Fünfgang-Getriebe verfügte. Im Herbst 1989 kam ein neuer Saugdiesel mit 1,7 Liter Hubraum und 44 kW (60 PS) Leistung hinzu.

Im September 1993 wurde der Fiat Punto als Nachfolger des Fiat Uno vorgestellt. Das völlig neu konstruierte Modell stellte den wirtschaftlichen Erfolg des Vorläufers sogar noch in den Schatten, avancierte ebenfalls zeitweise zum meistverkauften Auto Europas und behauptet sich auch im Jahr 2013 in der Spitze des Segmentes.

Nach der Präsentation des Fiat Punto wurde die Produktion des Fiat Uno in den italienischen Werken zunächst auf drei Modelle reduziert, 1995 nach knapp über sechs Millionen Exemplaren endgültig eingestellt. Doch damit war der Lebenszyklus der Baureihe noch lange nicht beendet. So diente der Fiat Uno als Starthilfe für die Wiedergeburt der Marke Innocenti – er wurde In Polen in technisch modernisierter Form (z. B. mit Airbags) noch bis 2002 als Innocenti Mille gefertigt.

Auch außerhalb Europas setzte der Fiat Uno seine Karriere weiter fort. In Südafrika wurde er ab 1990 zunächst in Lizenz gebaut, ab 1998 war Fiat selbst für die Produktion zuständig. In Marokko (bis 2003) und in Pakistan (bis 2004) wurde der Fiat Uno im so genannten CKD-Verfahren (Import sämtlicher Einzelteile) montiert.

Südamerika war schon lange ein wichtiger Markt für den Fiat Uno. Werke in Brasilien und Argentinien (bis 2000) stellten das Modell für den heimischen Markt her. Zeitweise wurden aber auch die in Brasilien gebauten, einfach ausgestatteten  Varianten Fiat Uno Trend und Fiat Uno CS nach Italien exportiert. 2004 erschien in Brasilien eine überarbeitete Version mit der Bezeichnung Fiat Mille.

Zahlreiche Besonderheiten zeugten von der Anpassung an den südamerikanischen Markt. So wurde der Fiat Mille Way mit verstärktem Fahrwerk speziell für unbefestigte Straßen gebaut. Unter der Motorhaube wurde, im Gegensatz zu den europäischen Modellen, Platz für ein Ersatzrad geschaffen. Zum Standard gehören außerdem Flexfuel-Varianten, die außer mit Benzin auch mit dem in Brasilien weit verbreiteten Bio-Ethanol oder Erdgas betrieben werden können. Seit 2010 wird im Werk Betim außerdem zusätzlich der völlig neue Fiat Novo Uno gebaut, der technisch allerdings stark mit dem Fiat Panda verwandt ist. Doch wie dem auch sei – der Uno lebt weiter. (Auto-Reporter.NET/hhg)

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