14. Mai 2013

Massive Kritik an Mercedes wegen Werkverträgen

Eigentlich hatte Mercedes für diese Woche nur positive Schlagzeilen eingeplant. Präsentieren die Stuttgarter doch am Mittwoch – eingebettet in eine große Party – in Hamburg  die neue S-Klasse der Öffentlichkeit. Zumindest wohlwollende Kommentare waren vorprogrammiert. Eine am Montagabend in der ARD ausgestrahlte SRW-Reportage machte jedoch einen gehörigen Strich durch diese Planung. „Hungerlohn am Fließband“ hieß die Sendung und gemeint waren damit Entlohnungspraktiken im Daimler-Stammwerk in Untertürkheim.

Daimler Gebäude

Foto: Auto-Reporter.NET

Der konkrete Vorwurf: Über Subunternehmen beschäftigt Daimler Mitarbeiter zu Löhnen, die nicht nur weit unter denen der Stammbelegschaft liegen, sondern auch ein Hartz IV-Aufstocken möglich machen und sogar – in dem konkreten Fall als vierfacher Familienvater -einen Anspruch auf Sozialleistungen nach sich zögen. Schlussfolgerung: Die Produktion von Mercedes werde durch Steuergelder subventioniert.

Im geschilderten Fall hatte sich der Reporter bei einem Zeitunternehmen anstellen lassen, das ihn an ein Logistik-Unternehmen verlieh und dieses – mit einem Werkvertrag von Daimler ausgestattet – ihn wiederum ans Band in Untertürkheim schickte Dort musste er als Hilfskraft für 8,19 Euro die Stunde Motorenbauteile vom Band heben und für die Verschiffung nach China verpacken..So weit so gut und vor allem nichts gegen Leiharbeit, nach dem in den letzten Monaten auch die Vergütungs-Modalitäten wesentlich verbessert wurden. Und es ist nun einmal Tatsache, dass generell Zeit- und Leiharbeit für Arbeitslose durchaus ein Sprungbrett zur Festanstellung sind.

Und im Prinzip auch nichts gegen sauber abgewickelte Werkverträge, die nun einmal der Realität des heutigen Wirtschaftslebens entsprechen. Doch die Spreizung zwischen Theorie und Praxis ist manchmal groß. In Untertürkheim arbeitete der Reporter nämlich häufig mit festangestellten Mitarbeitern zusammen und verrichtete die gleiche Tätigkeit wie diese. Aber genau das ist bei einem Werkvertrag nicht erlaubt. Ja, es ist verboten.

In einer ersten Stellungnahme kommentierte Daimler die Vorwürfe, dass es klare Vorgaben für Dienstleister und Lieferanten gebe, um unzulässige Tätigkeiten auszuschließen und schob damit den Schwarzen Peter an das Logistik-Unternehmen weiter. Damit machen es sich die Verantwortlichen jedoch allzu leicht und werden schlicht und einfach unglaubwürdig. Kann man sich doch nur sehr schwer vorstellen, dass kein Vorgesetzter, kein Betriebsratsmitglied die gesetzlichen Vorschriften kennt. Oder wurde in Stuttgart unter dem Motto gehandelt: Nur nicht kontrollieren, sonst müssten wir ja aktiv werden. Nun, jetzt müssen sie wohl. (Auto-Reporter.NET/Hans H.Grassmann)

Unternehmen Daimler / Mercedes-Benz / Subunternehmen / Untertürkheim / Zeitarbeit /

Kommentare

  • I. Bins sagt:

    Danke für Ihren Mut und Ihre Neugier, Herr Rose vom SWR !!!

    Wir brauchen mehr Aufklärung, mehr beweisbare Fakten, um Unrecht entgegentreten zu können. Ihr wagemutiger Undercover Einsatz hilft dabei enorm. Heute haben 1000e Menschen sehen können, wie Lohndumping funktioniert. Wie Steuergelder durch Aufstockung von Sklavenlöhnen Luxusgüter finanzieren. Und die Stimmen werden lauter gegen diese unmenschliche Politik.

  • A. Hepperle sagt:

    Der Bericht ist bei der Industrie leider keine Seltenheit. Da werden Luxusprodukte von rechtlosen Arbeitssklaven ohne Zukunft hergestellt und das alles nur um den Profit zu steigern. Da könnten sich die Mercedesmanager Manager mal ein Beispiel an den alten Industriemagnaten wie Thyssen oder Krupp nehmen, die noch wusten das Eigentum verpflichtet. Aber vielleicht gibt es so mehr Boni. Pfui Herr Zetsche, Sie sind auch nur ein Abzocker. Da hat jeder Hartz 4 Empfänger mehr Anstand. Ich kann nur jedem empfehlem, sich kein Auto von einem Sklavenhalter zu kaufen.

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