15. Mai 2013

Zocken Ölkonzerne die Autofahrer ab?

Die EU-Kommission hat gestern bei mehreren Ölkonzernen Razzien durchgeführt. Betroffen waren jeweils ein Unternehmen in zwei EU-Ländern und ein drittes in einem EFTA-Land. Untersuchungsgrund: Verdacht der Manipulation bei Preisen für Rohöl, Biokraftstoffe und raffinierten Ölprodukten. Oder im Klartext: Haben die Ölkonzerne durch überhöhte Preise, die Taschen der Autofahrer/Verbraucher übermäßig geleert und ihre dementsprechend gefüllt.

Die Spritpreise bei Aral

Foto: Auto-Reporter.NET

Namen wurden in Brüssel nicht genannt, doch gingen die betroffenen Unternehmen selbst in die Öffentlichkeit: Der norwegische Ölkonzern Statoil sowie die britische BP und die niederländisch-britische Shell teilten mit, dass sie zu den durchsuchten Unternehmen gehören. Statoil gab an, die Aufsicht der Europäischen Freihandelszone habe gemeinsam mit norwegischen Ermittlern Geschäftsräume am Hauptsitz Stavanger inspiziert. Alle drei Konzerne kündigten an, sie wollten mit den Behörden zusammenarbeiten.

Die EU-Kommission verdächtigt die Firmen, sie könnten zusammengearbeitet haben, um die Daten bei einer Agentur zu verzerren, die Preise von Öl und Ölprodukten veröffentlicht. Zudem soll untersucht werden, ob die durchsuchten Unternehmen andere Ölfirmen davon abgehalten haben, am Preisfindungsmechanismus teilzunehmen.

Dabei handelt es sich nach einem Bericht von Spiegel Online offenbar um den weltgrößten Energieinformationsdienst Platts. Er gehört zur amerikanischen Konzerngruppe McGraw Hill, der Muttergesellschaft der Rating-Agentur Standard & Poor’s. Zumindest teilte Platts mit, die Kommission habe „eine Untersuchung in ihren Geschäftsräumen in London durchgeführt, die mit dem Preissetzungsprozess von Platts zusammenhängt“. Man werde mit den Behörden kooperieren.

Die von Platts veröffentlichten Preise gelten als Richtwerte für milliardenschwere Ölgeschäfte weltweit – einschließlich entsprechender Wertpapiere auf den Finanzmärkten. „Selbst kleine Verzerrungen der angesetzten Preise“, so die EU-Kommission in ihrem Statement, „können einen riesigen Einfluss auf die Preise von Rohöl, raffinierten Ölprodukten sowie Käufe und Verkäufe von Biokraftstoffen haben, potentiell auch die Verbraucher schädigen.“

Ob der Verdacht erhärtet werden kann, muss natürlich abgewartet werden. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter bei derartigen Untersuchungen meist das richtige Näschen hatten. (Auto-Reporter.NET/hhg)

Wirtschaft & Politik Biokraftstoffe / Brüssel / EU-Kommission / Ölkonzerne / Rohöl /

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