10. Juli 2013

Rückrufe im ersten Halbjahr auf Rekord-Niveau

Die Rückrufquote der Hersteller im ersten Halbjahr 2013

Rückrufquote im ersten Halbjahr 2013.

In der Automobil-Industrie reißen die Produkt- und Qualitätsprobleme nicht ab. Die Rückrufe der globalen Anbieter erreichten in der ersten Jahreshälfte im Referenzmarkt USA mit 11,3 Millionen zurückgerufenen Pkw einen neuen Spitzenwert und könnten über das gesamte Jahr den Negativrekord von 2010 (18 Millionen) nochmals überbieten. Besonders betroffen sind BMW, Chrysler, Hyundai/Kia sowie Honda und Toyota.

Nach Berechnungen des Center of Automotive der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach ergibt sich für das erste Halbjahr 2013 eine Rückrufquote von durchschnittlich 142 Prozent. Im Klartext: Es wurden 42 Prozent mehr Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen als im gleichen Zeitraum an Neufahrzeugen abgesetzt wurden.

Laut Prof. Stefan Bratzel, Studienleiter der Rückruf-Analyse, ist der US-Markt aufgrund seiner Absatzgröße, den scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität. Die Rückruf-Trends geben Hinweise darauf, dass die Produktqualität – gerade auch im Hinblick auf sicherheitsrelevante Merkmale – leider ein kritisches Thema bleibt.

Auch in Deutschland liegen die Rückrufe auf sehr hohem Niveau. In 2012 wurden wegen erheblicher Mängel durch das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg insgesamt 162 Rückrufe mit 824.000 betroffenen Haltern eingeleitet. Damit wurden zwar nicht die Negativspitzenwerte von 2010/2011 erreicht, doch seit Beginn der Aufzeichnungen in 1998 das viertschlechteste Ergebnis eingefahren.

Im exemplarischen US-Markt waren in den ersten sechs Monaten BMW, Chrysler und Hyundai/Kia von Produktmängeln besonders betroffen. Spitzenreiter ist dabei BMW mit einer Rückrufquote von 334 Prozent, was einer absoluten Zahl von deutlich mehr als einer halben Million zurückgerufener Fahrzeuge entspricht. Mit einer Rückrufquote von 314 Prozent musste Chrysler sogar 2,85 Millionen Fahrzeuge – der letzte Rückruf von rund 840.000 Einheiten ist noch nicht berücksichtigt- in die Werkstätten beordern und bei Hyundai/Kia beträgt die Rückrufquote 294 Prozent.

Weit überdurchschnittliche Rückrufquoten haben wieder einmal auch Honda (265%) und Toyota (208%), die knapp zwei bzw. 2,3 Millionen Fahrzeuge zurückriefen. Im Mittelfeld befindet sich Nissan (82%), Ford (46%) und General Motors (25%). Sehr gut abgeschnitten haben dagegen die deutschen Anbieter Mercedes (0,2%) und Audi/Volkswagen (0%), die bislang kaum bzw. keine sicherheitsrelevanten Rückrufe zu verzeichnen hatten.

Von den sicherheitsrelevanten Produktmängeln etfallen über zwei Drittel auf Probleme mit Insassenschutzeinrichtungen (38,0%) sowie elektrische Baugruppen (29,5%). Weitere 27 Prozent lagen im Motorbereich. Die restlichen Mängel verteilen sich auf andere Baugruppen wie Brems- und Lenkanlage sowie Fahrwerk und Karosserie.

Fazit von Prof. Bratzel: Die Einflussfaktoren für Produktmängel sind struktureller Natur. Das heißt, die Wertschöpfungsverlagerung, der Kostendruck, globale Produktionsnetzwerke und Plattform- und Gleichteilestrategien, die zu diesen Mängeln führen können, werden auch in Zukunft bestehen bleiben. Sie stellen somit eine konstante Herausforderung für das Qualitätsmanagement von Herstellern dar. (Auto-Reporter.NET/Hans H. Grassmann)

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